Lesung
„Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ – diese Erkenntnis machte Victor Klemperer während der Nazi-Zeit. Er war Autor, Sprachwissenschaftler und Professor jüdischer Abstammung in Dresden und dokumentierte wie kaum ein anderer Mensch die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland.
Am 03. März 2026 durften die Jahrgänge 10 bis 13 einer Lesung des Autoren und Herausgebers Dr. Renatus Deckert aus dem Tagebuch Victor Klemperers lauschen. In diesem schildert Victor Klemperer aus der Sicht eines Juden das Vorgehen Hitlers und seiner Helfer gegen die eigene Bevölkerung. Dabei erkannte Klemperer schnell den schleichenden Prozess, auch und gerade an Veränderungen in der Sprache, und prophezeite bereits beim Überfall Deutschlands auf Polen das endgültige Aus für die Juden. Er selbst hatte sich durch seine frühere Konvertierung zum Christentum und den Kampf im 1. Weltkrieg Schutz vor den Nazis erhofft, musste jedoch ebenfalls den „Judenstern“ tragen und in einem „Judenhaus“ in entwürdigender Weise leben. Allein das Alter Klemperers bewahrte ihn vor der Zwangsarbeit. Sein größter Schutz jedoch war seine treue christliche Frau Eva, die ihn vor der Deportation bewahrte. Klemperer überlebte den Krieg und die Zerbombung Dresdens und veröffentlichte 1947 in einem Buch die Redestrategien der nationalsozialistischen Propaganda, die er „Lingua Tertii Imperii“ (Sprache des Dritten Reiches“) nannte. Sich selbst hatte er die Aufgabe gegeben: „Ich will Zeugnis ablegen bis zum Letzten.“.
Der Leser Dr. Renatus Deckert hat durch seine Familie selbst einen indirekten Bezug zu Victor Klemperers Tagebuch: Sein Großvater war für Klemperers Handschriften im Bibliotheksarchiv Dresdens verantwortlich und damit auch an der Erstveröffentlichung der Tagebücher nach Klemperers Tod beteiligt. Im Anschluss an die Lesung, die viele Schüler*Innen und Lehrer*Innen tief beeindruckte, fand sich Raum für Fragen.


